Ausblick von der Wohnung auf den SpreehafenMichael Rothschuh 2009 in der HAWK

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Soziale Arbeit als Beruf

von Michael Rothschuh

Kap. 7- Handlungsformen /Methoden

Beschreibung einzelner Handlungsformen

Hier können nur einige Formen sozialarbeiterischen/ sozialpädagogischen Handelns skizziert werden, wobei darauf hinzuweisen ist, daß es in Theorie und Praxis der Sozialen Arbeit erhebliche Diskussionen darüber gibt, welche Handlungsformen die Sozialarbeit/ Sozialpädagogik typischerweise prägen.

Beratung ist ein Zentralbegriff in der Sozialen Arbeit: Es geht um problemzentrierte Interaktion zwischen Ratsuchendem und Berater mit dem Ziel, Wissensrückstände aufzuarbeiten, Alternativen aufzuzeigen und Entscheidungshilfen zu geben. Beratung intendiert Lernen, Wachstum, Veränderung und letzten Endes eine Problemlösung. Sie kann verstanden werden als Innovationshilfe für verbesserte Lebensverhältnisse. Die Beratung kann stärker informierenden Charakter haben oder sie kann mehr auf Verstehen von Gedanken und Gefühlen, Veränderung von Situationen und Verhalten sowie Ingangsetzen von sozialen Prozessen gerichtet sein.

Beratung findet nicht nur in der Kommunikation der Sozialarbeiterinnen/ Sozialpädagoginnen mit den Betroffenen statt, sondern ebenso mit dem sozialen Umfeld, mit Vertretern sozialer und Bildungseinrichtungen sowie mit Einfluß- und Entscheidungsträgern im Stadtteil und in der Politik. Berufsbezogene Beratung für die Sozialarbeiterinnen/ Sozialpädagoginnen selbst erfolgt z.B. als kollegiale Beratung und in der Form der Supervision.

Befähigung oder "empowerment" meint den Prozeß, in dem Einzelne, Familien, Gruppen und Gemeinwesen sich ermutigt fühlen, ihre eigenen Angelegenheiten in die Hand zu nehmen, ihre eigenen Kräfte und Kompetenzen zu entdecken und ernst zu nehmen sowie den Wert selbst erarbeiteter Lösungen schätzen zu lernen. Befähigung erschließt die z.T. verborgenen und verschütteten Ressourcen. Dazu gehören die eigenen Fähigkeiten wie Wissen, Können und Gefühle. Dazu gehören soziale Beziehungen, die Möglichkeiten der Kooperation und Selbsthilfe, schließlich die institutionellen, rechtlichen und materiellen Ressourcen öffentlich zugänglicher Einrichtungen. Jemanden befähigen heißt zugleich, ihn zu bilden.

Vernetzung und soziale Unterstützung bezeichnet einen Prozeß, in dem Sozialarbeiterinnen/ Sozialpädagoginnen als vermittelnde Netzwerker die persönlichen Beziehungen z.B. in Verwandtschaft, Nachbarschaft, beruflichen und Freizeitbeziehungen der Betroffenen um institutionelle Kontakte, z.B. Schule, Familienhilfe, Selbsthilfegruppen, Arbeitsamt erweitern und ergänzen. Dabei geht es ebenso um die Stärkung der Personen als auch Vermittlung von praktischen Hilfen und materiellen Unterstützungen. Wie in jeder Sozialarbeit/ Sozialpädagogik geht es darum, Betroffene in eine Lage zu versetzen, in der sie soweit als möglich ihre Angelegenheiten selbst regeln und notwendige Unterstützung in Anspruch nehmen können.

Begleitung des Alltags der Betroffenen hat je nach Fallgestaltung und Anforderungen des Arbeitsplatzes der Sozialarbeiterinnen/ Sozialpädagoginnen eine unterschiedliche Dauer, Intensität und Nähe. Sie kann erziehenden, helfenden, Selbsthilfe unterstützenden, z. T. betreuenden, fürsorgenden oder auch kontrollierenden Charakter haben.

Soziale Gruppenarbeit und Gruppenpädagogik richten sich auf Selbstbestimmung und Selbstentfaltung durch die Initiierung von Lernprozessen in Gruppen und berücksichtigen das Wissen um Gruppenstrukturen. Die Prozesse gehen von der Situation der Gruppe aus und fördern ihre Entwicklung. Gruppenarbeit findet in den verschiedensten Bereichen der Sozialarbeit/ Sozialpädagogik statt. Sie umfaßt Formen angefangen vom Spiel und kulturellen Aktivitäten, über Gespräche und Unterstützung der Selbstorganisation von Gruppen bis hin zu stärker therapeutisch orientierten Handlungsansätzen.

In der Gemeinwesenarbeit geht es um die Lebensverhältnisse der Menschen in ihrem Gemeinwesen, den Stadtteilen und Gemeinden, Nachbarschaften und Milieus. Zur Gemeinwesenarbeit gehört die Förderung der Selbstorganisation von Menschen in ihrem Umfeld, die Förderung ihres kulturellen und sozialen Zusammenlebens, sowie die Vernetzung und Koordination von Gruppen, Institutionen und Dienstleistungen. Gemeinwesenarbeit kann sowohl eigenständiger Aufgabenbereich von Sozialarbeiterinnen/ Sozialpädagoginnen z.B. in Obdachlosengebieten, Sanierungsgebieten und Neubauvierteln als auch Arbeitsprinzip z.B. im Kommunalen Sozialdienst, in der Jugend- und Altenarbeit, der Erziehungshilfe oder Gesundheitsförderung sein. Die Gemeinwesenarbeit gewinnt an Bedeutung durch die Programme zur Entwicklung und Erneuerung von benachteiligten Stadtteilen ("Soziale Stadt", "Empowerment Zones"), vgl. Rothschuh, Michael (Hrsg.), 2001: Wege zur Sozialen Stadt, Hildesheim, FH

Sozialmanagement gewinnt an Bedeutung bei der Professionalisierung sozialer Dienstleistungen, der Entwicklung bürgernaher und dezentralisierter Konzepte sowie der Planung, Leitung und Koordination in und zwischen sozialen Einrichtungen. Sozialmanagement ist deshalb auch Gegenstand einer Vielzahl von Fort- und Weiterbildungsangeboten.

Therapeutische Aufgaben können Sozialarbeiterinnen/ Sozialpädagoginnen im Rahmen ihrer sozialen Aufgaben in bestimmten Arbeitsbereichen wahrnehmen, z.B. in Drogeneinrichtungen, der Heimerziehung, psychiatrischen Krankenhäusern, in der Rehabilitation, in Kinder-, Jugend-, Lebens- und Familienberatungsstellen sowie in Einrichtungen des Strafvollzugs. Aus dem Verständnis ihres Gegenstandes heraus ist Soziale Arbeit aber kein Heilberuf im rechtlichen Verständnis. Die Qualifikation zur therapeutischen Tätigkeit im engeren Sinne kann nicht im grundständigen Studium erworben werden. Therapeutische Arbeit geschieht oft im Zusammenwirken mit anderen Berufsgruppen und setzt zumeist eine Zusatzausbildung voraus, die die Grundausbildung in den Fachhochschul- Studiengängen ergänzt.

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Systematische Übersicht

Wissenschaftsbezogene Methoden

Methoden der Sozialen Arbeit

Professionsbezogene Methoden

 

Einzelfallbezogen

Gruppenbezogen

Sozialraumbezogen

Organisationsbezogen

Personenbezogen

Sozialforschung

Informatik

Methoden wiss. Arbeitens

Gesprächsführung

Mediation

Case Management

Beratung

Erlebnispädagogik

Soziale Gruppenarbeit

Kulturelle Handlunsgformen:

  • Gestalten

  • Theater, Spiel, Bewegung,

  • Musik

  • AV-Medien

Gemeinwesenarbeit

Community Organizing

Stadtteilmanagement

Sozialmanagement

Qualitätssicherung

Organisationsentwicklung

Marketing

Sozialplanung

Betriebwirtschaftliche Steuerung

Selbstevaluation

Supervision

Man kann - in Anlehnung an und Erweiterung von Galuske 2001- wissenschaftsbezogene Methoden, Methoden der Sozialen Praxis und professionsbezogene Methoden unterscheiden.

Innerhalb dieser Methoden gibt es sehr unterschiedliche Gliederungen und Bezeichnungen. Ich folge hier, soweit es möglich ist, den Bezeichnungen der FH Hildesheim/Holzminden/Göttingen, die einen Teil dieser Methoden anbietet.

Es gibt wichtige Verknüpfungen und Überschneidungen:

Methoden der Sozialforschung wie Statistische Erhebungen werden auch in der Praxis oder der Organisationsentwicklung angewendet, Methoden wie das narrative Interview berühren sich mit Gesprächsführung in der Beratung, Sozialplanung und Gemeinwesenarbeit gehen Hand in Hand, die Methoden der Sozialen Praxis verschränken sich miteinander.

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Impressum: Michael Rothschuh, Ilenbrook 24, 21107 Hamburg, Tel. 0049 (0)40 6520296