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Website von Michael Rothschuh |
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Armut und Reichtum in Deutschland - am Beispiel Hildesheim Lebenslagen von Armut und Reichtum * Reichtum und Armut in Hildesheim * Soziale Landkarte Hildesheims * Armut und Reichtum sind zunächst Ausdruck für extreme Lebenslagen, dualistische Gegensätze. Armut und Reichtum sind aber auch aufeinander angewiesen wie Herr und Knecht: "Wärst Du nicht arm, wär‘ ich nicht reich" sagt bei Bert Brecht der Herr Puntila zum Knecht Matti. Über Armut wird kaum offen gesprochen, über Reichtum aber auch nicht. Fragen Sie einmal auf der Straße: "Sind Sie arm?" Wer, egal über wie wenig Geld er oder sie verfügt, mag sich so fragen lassen? Wer wird darauf klar "ja" antworten. Eine Rentnerin, die fast über kein Geld verfügt? Ein Student, der gerade nach einer Arbeitsgelegenheit für 10 DM/ Stunde sucht, um seine Miete zahlen zu können? Auch Obdachlose, die wir gefragt haben, mochten sich nicht umstandslos und ohne Einschränkungen als "arm" bezeichnen. Sie verglichen sich dann zum Teil mit Menschen aus der 3. Welt, die "wirklich arm" wären. "Armut"- das ist gesellschaftliche Realität und zugleich nach wie vor ein Stigma, ein Zeichen, mit dem wir kaum Begriffe wie Würde, Stolz, Selbstbewußtsein und Mut verbinden. In Hamburg wurde sehr wohlmeinend ein "Armutsbekämpfungsprogramm" aufgelegt, bei dem die Beteiligung der Menschen an der Entwicklung von Projekten des Wohnens, Arbeitens und des Stadtteillebens gefördert werden sollte. Es war ein Fortschritt, weil "Armut" dadurch als gesellschaftliche Tatsache anerkannt wurde - aber: auf die BewohnerInnen der Stadtteile wirkte der Begriff so diskriminierend, daß man ihn schnell ausgetauscht hat. Aber auch auf die Frage "Sind Sie reich?", wird kaum jemand einfach mit "Ja" beantworten. Auch Reichtum erscheint als ein "Stigma", als Abweichung vom gesellschaftlichen Standard. Da kann man sich schon eher als "Besserverdienenden" bezeichnen - weil dies ja auch assoziiert, daß der Wohlstand Ergebnis eigenen Verdienstes und nicht etwa der Herkunft und des Erbes sei. Es liegt nahe, Armut und Reichtum vom Geld her zu definieren. Armut ist relativ und Reichtum ebenfalls; als Maßstab kann z.B. das durchschnittliche Einkommen dienen; als "arm" ist dann zu bezeichnen, wer weniger als 40 oder 50% des Durchschnittseinkommens des jeweiligen Landes bekommt, als "reich", wer über das Doppelte oder Dreifache des Durchschnittseinkommens verfügt. Dieses sind zunächst sehr willkürlich gegriffene Grenzen; um so mehr, als in einem künftig vom EURO geprägten einheitlichen Wirtschafts- und Währungsraum 450 Euro in Kehl vielleicht Armut bedeuten, im benachbarten Straßburg aber durchaus nicht. Es gibt keinen einheitlichen Lebensstandard in Europa und keine einheitliche soziale Politik. Als offizielle "Armutsgrenze" werden In Deutschland zumeist die Regelsätze der "Hilfe zum Lebensunterhalt" (HLU) angesehen, die oft mit "der Sozialhilfe" identifiziert werden. Sie sollen ein Leben ermöglichen, "das der Würde des Menschen entspricht" (§ 2 BSHG) und beziehen sich damit auf eine zunächst nicht- monetäre wertbezogene Größe, faktisch sind sie allerdings seit Jahren an die Entwicklung der unteren Einkommen gekoppelt. Daß diese Grenze politisch gesetzt ist, ist offenkundig: Eine Reduzierung der Regelsätze würde paradoxerweise zugleich zu einer Verschlechterung der Lebensverhältnisse und zu einer Reduzierung der offiziellen Zahl der Armen führen. Aufgrund des Rechts auf Sozialhilfe behauptet der Regierungssprecher Hauser: "Materielle Armut gibt es hier nicht", hier in Deutschland (HAZ vom 18.7.1998) ; er verkennt, daß auch die Abhängigkeit von Sozialhilfe ein Merkmal von Armut ist, er verkennt, daß es neben der durch Sozialhilfe "bekämpften Armut" "verdeckte Armut" gibt, wenn Menschen zwar ihrer Einkommenshöhe nach HLU erhalten könnten, diese aber tatsächlich nicht bekommen. Das sind heute nicht nur alte Menschen, die Scham haben, öffentliche Unterstützung anzunehmen oder Angst, daß ihre Kinder zu ihrem Lebensunterhalt herangezogen werden, sondern beispielsweise auch Studenten mit minimalem Einkommen, die keinen Rechtsanspruch auf Sozialhilfe haben oder zunehmend sogenannte "Illegale", Menschen aus anderen Ländern, die keine Papiere haben. Zur Gruppe der absolut Armen können die gezählt werden, die nach dem Asylleistungsgesetz verringerte oder neuerdings "bis auf das Unerläßliche" gekürzte Hilfe erhalten. Über eine "Reichtumsgrenze", von der an jemand als "reich" zu bezeichnen ist, wird kaum diskutiert. Das tatsächliche Umschlagen von "gutem Einkommen" zu "Reichtum" scheint mir darin zu liegen, ob jemand auf seine Erwerbsarbeit angewiesen ist, um langfristig gesichert leben zu können, oder ob er von den Erträgen seines Vermögens leben kann, ohne dessen Substanz aufzubrauchen. Dies aber ist nur selten das Resultat fleißiger Arbeit und vorangegangenen Sparens, sondern zumeist jedenfalls auch auf Erbschaft gegründet. Reichtum vererbt sich über Vermögen direkt, Armut vererbt sich eher auf sozialem Weg. "Verdeckter Reichtum", der mangels angemessener Steuerzahlung nicht erkannt wird, dürfte ein mindestens so großes Ausmaß haben wie "verdeckte Armut".
Lebenslagen von Armut und Reichtum
Weil Geld der Schlüssel für viele und immer mehr Lebensbereiche in unserer Gesellschaft ist, wird Armut und Reichtum zunächst monetär definiert, vom aktuellen Einkommen ebenso wie von dem Vermögen bzw. den Schulden eines Menschen. Leben in Armut oder Leben in Reichtum ist aber ist mehr als nur Geld-haben oder Geld-nicht-haben. Es ist eine Lebenslage, die sich in verschiedenen Dimensionen ausdrückt, die in dem Schaubild skizziert sind. Diese Landkarte der Lebenslage dient der Beschreibung von Zuständen, die Lebenslage der Menschen kann danach untersucht und dargestellt werden. Dabei wird sich oft ein differenziertes Bild ergeben: es können Probleme, die oft kumuliert sind, herausgefunden werden, aber auch Kompetenzen, Aktiva der Menschen, die für eine Veränderung der Lebenslage genutzt werden können. Die Landkarte kann aber auch genutzt werden zur Analyse der Lebenslage als eines dynamischen Prozesses (vgl. Leibfried/ Leisering u.a. 1997: Zeit der Armut, Frankfurt): Wir kennen die Rede vom "Teufelskreis der Armut" mit z.B. folgenden Stationen: Krankheit, Verlust der Arbeit, Verlust der Wohnung, Entwertung der Qualifikation, Isolation, Verschuldung. Diese teils mehr objektiven, teils mehr subjektiven Faktoren der Lebenslage stehen in enger Beziehung zueinander; wie im Dominospiel kann ein Lebensbereich nach dem anderen "kippen" mit dem Resultat der subjektiv wohl tiefsten Verletzung, dem Verlust an Achtung und Wertschätzung, die man sich selbst gibt und die einem zuteil wird. So gibt es Eingang in Armut, Leben mit Armut, und einen spiralförmigen Verlauf, der in generationsübergreifende chronische Armut führen kann. Teufelskreise werden in unserer Welt von Menschen produziert und sind deshalb keine bloßen Automatismen. Wenn Lebenslagen differenziert wahrgenommen werden, gibt es auch andere Bewegungsrichtungen. So wird in der dynamischen Armutsforschung auch eruiert, wie "Ausgang aus Armut" geschehen kann. Dies kann damit beginnen, daß Menschen ihre Qualitäten wieder entdecken, frei gewählte Arbeit finden, daß sie sich vernetzen und in Beziehungen begeben, ihnen Teilhabe am kulturellen und Freizeitleben ermöglicht wird, daß sie mit fachlichem Beistand dauerhaftes Einkommen sichern können, sei es durch Arbeit, sei es durch Renten oder auch durch den würdigen Bezug von Hilfe zum Lebensunterhalt und so wieder Wertschätzung erfahren und sich selbst geben. Das Ergebnis kann "besiegte Armut" sein. Die Dynamik des Reichtums ist uns meistens weniger vertraut. Die Geschichte "vom Tellerwäscher zum Millionär" hat eine ähnliche Faszination wie der "Teufelskreis der Armut". Und von der Differenzierung berichten manche bunten Blätter eher unter dem Klischee "reich aber einsam" als daß es wirkliche Analyse und Beobachtung gäbe. Die Sozialwissenschaft des Reichtums kommt erst sehr langsam in Bewegung (z.B. E.-U. Huster u.a., 1993: Reichtum in Deutschland, Frankfurt). Reichtum und Armut in Hildesheim Die Datengrundlage für eine Analyse ist äußerst dürftig: In den statischen Grunddaten der Stadt Hildesheim (vgl. Stadt Hildesheim 1997: Statistische Grunddaten) erfahren wir vieles: genaue Übernachtungszahlen im Fremdenverkehr, den Wohnungsbestand, die Zahl der KFZ- Anhänger und den Hafenumschlag in Tonnen, über Armut und Reichtum wird dort- wie in fast allen Statistiken- nicht gesprochen. Und das, was in die Statistik nicht eingeht, macht sich auch im Bewußtsein von politisch Handelnden wenig bemerkbar. Wir erfahren die starke Steigerung der Ausgaben für Sozialhilfe für Hilfe außerhalb von Einrichtungen, 1987 waren es noch 24 Mio. DM, 1996 fast 52 Mio. DM reine Ausgaben. Einige Daten zu den Empfängern bringt ein Übersichtsbericht des Sozialamtes (Thaysen 1996: Sozialhilfe in Hildesheim). Danach erhielten 1996 fast 7.500 Personen Sozialhilfeleistungen außerhalb von Einrichtungen - BewohnerInnen der Altenheime, aber auch der großen Diakonischen Werken Himmelsthür beispielsweise sind dabei nicht mitgezählt. Man kann damit in etwa von 7-8 % Sozialhilfeempfängern bezogen auf die Bewohnerzahl der Stadt ausgehen. Auffällig ist die Altersstruktur: Danach sind 34% der Sozialhilfeempfänger Kinder, in der Bevölkerung insgesamt sind etwa 12% Kinder; sie sind also unter den Sozialhilfeempfängern fast dreimal so oft betroffen als andere Gruppen. Überproprotional ist auch die Zahl der Sozialhilfeempfängern bei den 18-25jährigen (10,7 % gegenüber 8,8 % bei den Bewohnern), während die Sozialhilfeempfänger über 65 Jahren nur 4,8% der Sozialhilfeempfänger ausmachen, während ihr Bevölkerungsanteil 17 % beträgt- hier macht sich allerdings auch bemerkbar, daß bei den Sozialhilfeempfängern die BewohnerInnen von Altenheimen nicht mitgezählt werden. Manche sagen, es heißt nicht zufällig "die" Armut und "der" Reichtum, weil in den Händen der Männer das meiste Vermögen versammelt ist, die Frauen aber besonders von Armut betroffen sind, mit niedrigeren Löhne, weniger Vermögen und geringeren Rentenansprüchen. In der Sozialhilfestatistik läßt sich erkennen, daß bei den 20-50jährigen der Anteil von Frauen an den Sozialhilfebeziehern mit etwa 60% überwiegt, ebenso bei den über 65jährigen, bei denen aber ihr Anteil auch in der Bevölkerung allgemein überwiegt. Ein wesentlicher Zusammenhang besteht zwischen Armut und Arbeitslosigkeit. Mit etwa 11% offiziell registrierter Arbeitsloser weicht Hildesheim nicht wesentlich vom Landesdurchschnitt ab. Auch hier wird von einer kleinen Reduktion der Zahl der Arbeitslosen im Sommer 1998 gegenüber dem Jahr zuvor berichtet, aber wer die Ursachen genauer ansieht - u.a. Rückgang des Angebots an Arbeitskräften aufgrund demographischer Entwicklung und veränderte Zählung aufgrund der Neuregelung des Arbeitsförderungsgesetzes-, der kann kaum von einer Trendwende sprechen. Eine Übersicht in den Statistischen Grunddaten (S.65) stellt die Einwohner, die Beschäftigten, die hier wohnen und die Arbeitslosen gegenüber: Danach gibt es 5.763 Arbeitslose und 33.504 Beschäftigte, die in Hildesheim wohnen; dies ergäbe sogar eine Arbeitslosenquote von 14,6%. Grundlage der Arbeitsmarktentwicklung ist eine Umstrukturierung in Hildesheim: So ist die Zahl der Beschäftigten im produzierenden Bereich von 1992 bis 1995 um 9 % gesunken, im privaten und öffentlichen Dienstleistungsbereich dagegen um jeweils 2 % gestiegen, die Zahl der Arbeiter ist von 1991 bis 1995 von 23000 auf 19000 gefallen, die der Angestellten von 25.500 auf 27.000 gestiegen. Reduktionsprozesse werden also durch das Wachstum in anderen Sektoren nicht mehr ausgeglichen. Armut ist am offenkundigsten bei den Obdachlosen. Am Bahnhof in Hildesheim, in der Fußgängerzone und in den Parks ist Armut sichtbar geworden. Gerade der Verlust einer eigenen Wohnung wirkt sich auf alle Lebensbereiche aus, die Unmöglichkeit, normale Arbeit zu finden, die Probleme der Wahrung der politischen und sozialen Rechte und den tagtäglichen Überlebenskampf (vgl. Böning/ Rothschuh (Hrsg.) 1996: Facetten der Armut in Hildesheim, Hildesheim). Aber auch hier gibt es Ressourcen, die wieder entdeckt werden können; das Hannoversche Projekt der Straßenzeitung "Asphalt", die von Obdachlosen verkauft wird, fängt auch in Hildesheim an zu greifen. Über den Reichtum in unserer Stadt sind keine Daten veröffentlicht. Ein Hamburger Armutsbericht (Behörde für Arbeit, Gesundheit und Soziales, 1997: Armut in Hamburg II, Hamburg) hat anhand der Lohn- und Einkommenssteuerstatistik versucht, die Struktur des Reichtums zu erfassen. Angesichts von Abschreibungsmöglichkeiten, Abschaffung der Vermögenssteuer usw. können so nur vage Ergebnisse erzielt werden. Immerhin wird deutlich, daß dort die Einkommensmillionäre, das sind 0,2% der Bevölkerung über 8,3% des Einkommens verfügen und sich die 27,1 % Steuerpflichtigen mit einem Einkommen bis 25.000 DM 5,1 % aller Einkünfte teilen müssen. In Hildesheim dürften die Differenzen etwas weniger krass ausgeprägt sein. Wir sind gewohnt, den Lebenslagenansatz individuell zu verwenden, zur Beschreibung von Situationen und Verläufen in einzelnen Fällen. Wir können aber dieses Verständnis auch auf Sozialräume übertragen. Die Reichtumsgebiete in Hildesheim lassen sich bei einem Rundgang gut erkennen. In den Immobilienanzeigen wird auf die "bevorzugten Wohnlagen" am Kalenberger Graben, dem Weinberg und Galgenberg hingewiesen. Hier sind die Preise für Wohneigentum und Mieten erheblich höher als etwa in der Nordstadt oder dem Moritzberg, man zahlt dafür, daß man sich von Armut fern halten kann; dabei sind die Preisspannen um ein vielfaches geringer als in manchen echten Großstädten wie Hamburg oder München. Spannend zu verfolgen ist es, wie die reicheren zentrumsnahen Gebiete wie z.B. Weinberg erfolgreich den Bau von Durchgangsstraßen und damit Umweltbelastungen verhindert haben, was anderen Stadtteilen um die Innenstadt herum kaum gelang. Zur räumlichen Verteilung der Armut gibt der Bericht der Stadt (Thaysen 1996) einige Hinweise. So wird der %- Anteil der SozialhilfeempfängerInnen in den einzelnen Bezirken des Sozialamtes (die nicht mit den statistischen Bezirken der Stadt übereinstimmen, sodaß Datenvergleiche sehr schwierig sind) ermittelt. Danach sind einige Stadtteile deutliche Schwerpunkte der Armut. So liegt der Sozialhilfeanteil in der Marienburger Höhe und Itzum, im Süden gelegene Stadtbezirke, in denen es kaum Gewerbe gibt, in dem viele Menschen Eigentümer von Einfamilien - oder Reihenhäusern sind und durch Neubau werden, 3,38% Sozialhilfebezieher, in der Nordstadt dagegen, einem früheren Arbeiterstadtteil mit Geschoßwohnungsbau, der früher durch verarbeitendes Gewerbe und heute eher durch Einkaufsmärkte geprägt ist, 10,72 % Sozialhilfebezieher. Krasser ist das Bild, wenn kleinräumigere Einheiten als die Bezirke betrachtet werden. So beträgt der Anteil der Sozialhilfepersonen in einem in den 60er Jahre gebauten Teil Drispenstedts und im Kern der Nordstadt etwa 15%, in einem kleinen zwischen Straßen und Eisenbahn umgebenen Gebiet um die Fahrenheitstraße gar 35%. Drispenstedt und das Fahrenheitgebiet sind mittlerweile (2003 bzw. 2004) in das Bund-Länder-Programm "Soziale Stadt" aufgenommen worden. Im Sommer 2004 freilich hat die Landesregierung Niedersachsens beschlossen, die "Soziale Stadt" im Haushaltsjahr 2005 nicht zu fördern; die Zukunft des Programms ist daher offen. Dieses Bild wird differenzierter, wenn andere Faktoren der Lebenslage mit herangezogen werden. In einer Studie zur Wohnsituation in Hildesheim wird auch nach den sozialen Beziehungen im Stadtteil gefragt. Als "Wunschstadtteil" in dem man gerne leben möchte, steht die Nordstadt ziemlich weit unten, aber von denen , die der Nordstadt eine Präferenz geben, wird die "soziale Wohnumwelt" als deutliches positives Merkmal hervorgehoben. Umgekehrt ist z.B. der Galgenberg/ Marienburger Höhe der begehrteste Wohnstadtteil; die räumliche Wohnumfeld wird ausgesprochen positiv bewertet; auch die Wohnzufriedenheit ist hoch. Aber dies nicht bedeutet nicht unbedingt eine hohe Stadtteilidentität, weil der Anteil der im Stadtteil wohnenden Freunde geringer ist als in anderen Stadtteilen (vgl. Pöschel 1996). Um die Entwicklung in den benachteiligten Stadtgebieten zu fördern, ist es notwendig, gerade auch auf die Ressourcen zu sehen, die dort vorhanden sind. Ed Chambers, der Direktor des IAF (Industral Areas Foundation), einer führenden Organisation des Community Organizing, hat auf das "Sozialkapital" hingewiesen, das in der Fähigkeit der Menschen liegt, machtvolle soziale Beziehungen zu entwickeln. Dieses vermehrt sich, indem die Menschen es anwenden und nicht brach liegen lassen. Wir sollten mehr über Armut und Reichtum wissen, mehr über die Daten und die Lebenslagen, über die ihnen innewohnende Dynamik und die Möglichkeiten, die Dynamik zu beeinflussen. Darin liegen Aufgaben für die Forschung ebenso wie für die soziale und politische Praxis. |